Er will seine Musik deshalb aufnehmen, weil ihm das Aufgenommene, die Aufzeichnung Halt gibt. Denn somit ist die ausgedrückte Emotion aufgezeichnet und nicht nur bei ihm allein im leeren Raum vorhanden und verhallt. Sonst ist sie bei ihm allein und nur er selbst weiß davon, sie ist nicht in seinem gesellschaftlichen Leben, ist nicht Teil seines Verhaltens in der Öffentlichkeit. Er wird sonst womöglich anders wahrgenommen, als das, was ihn bewegt, auch als das, was einen essentiellen Teil, ein grundlegendes Fundament seiner Persönlichkeit bildet. Er fühlt sich in seiner sozialen Umgebung möglicherweise allein. So ist es für andere natürlich auch unmöglich, auf diese oder jene Teile seiner selbst einzugehen, Teile seiner selbst finden keinen Anklang im Außen. Die Selbstpräsentation, die Präsentation der eigenen Persönlichkeit, der eigenen Empfindungen und natürlich auch der eigenen technischen Fähigkeiten ist eine Hürde des Musikers, des Künstlers. Wird diese durch einen positiven Anklang gewürdigt, so muss der konstruktiv und zielstrebig eingestellte Künstler nicht mehr all sein Vertrauen, all seinen Mut in seine Sache bei sich selbst schöpfen, nein, er findet Bestätigung von anderen, Bestätigung im Außen, er ist nicht mehr allein. Mit seiner Musik, aber auch mit Anteilen seiner Persönlichkeit, mit Bewegtheiten seiner Seele. Ein erhebliches Potenzial an Kontakten zu Gleichgesinnten, also “Seelenverwandten”, aber auch an einer Integration in kommerziellen Netzwerken, liegt in der Präsentation und Verbreitung seines künstlerischen Ausdrucks.

So gestaltet sich sein künstlerischer, aber auch sein persönlicher Weg möglicherweise leichter, denn so findet sein Innerstes, seine Seele, seine in vielen Fällen ehemalige Verborgenheit positiven Anklang. Findet sie diesen nicht, so kann er, sofern er an sich glaubt, erstmal für sich selbst seiner Linie treu bleiben und sich möglicherweise weiter entwickeln, sich also möglicherweise an einem späteren Zeitpunkt erneut präsentieren. Oder er kann seinen künstlerischen Weg an den Nagel hängen und seine Sache anderswo versuchen.

Allenfalls ist die musikalische Aufzeichnung ein materiell existierender Anhaltspunkt für ihn und somit ein Halt, eine Sicherheit, ein Abbild seiner Persönlichkeit, ein Mittel zur Selbstreflexion, reflektiert von sich selber und auch von anderen.

Es ist bei der Ausübung und Aufzeichnung im Grunde gar nicht nötig, dass technische Fähigkeiten und eine Virtuosität vorhanden sind. Allein eine wahrhaftig, aufrichtig und mit Emotion angeschlagene Saite ist bereits ein Ausdruck der Seele, der Persönlichkeit und hallt in das Ohr des Ausübenden – oder auch zur dauerhaften Archivierung und beliebig oftmalig erneuten Wiedergabe, auf die Membran des Mikrofons. Dazu ist nicht einmal die Kenntnis einer Tonleiter notwendig.

Zum Anklang bei anderen Personen ist noch zu sagen, dass bei der Selbstpräsentation, die unterschiedlichen Hörer die Musik natürlich unterschiedlich bewerten. Diesen Bewertungen liegen vor allem auch Faktoren zugrunde, die den Hörern, den beurteilenden Personen zuzuschreiben sind: Geschmack und Gefühlslage, Erfahrungen und Geprägtheiten, soziale, demografische und (sub-)kulturelle Aspekte (ein überkulturelles Bewusstsein und Bewerten ist in unserer Kultur eher eine Ausnahmeerscheinung und tritt am wahrscheinlichsten noch in alternativen Kreisen auf, oder aber auch bei Menschen, die keiner Subkultur angehören und eher ein kulturelles und künstlerisches Desinteresse zeigen).